Hyperfeminität. Figuren sozialer Differenzierung und Marginalisierung im Strafvollzug
DOI:
https://doi.org/10.18716/ojs/krimoj/2025.1.5Schlagworte:
Argot Roles, Ethnographie, Gender, Hyperfeminität, Hypermaskulinität, Marginalisierung, Othering, StrafvollzugAbstract
Ausgangspunkt für unsere Untersuchung ist die weit verbreitete Annahme, dass der geringe Anteil von Frauen an der Gefängnispopulation (ca. 5 % aller Inhaftierten in Deutschland sind weiblich) zu ihrer "besonderen" Situation führt. Im Vergleich mit männlichen Insassen werden inhaftierte Frauen als eine Minderheit beschrieben, die mit „besonderen Problemen“ konfrontiert ist, welche inhaftierte Frauen zu Opfern machen. Jedoch stellen die Besonderungen Deprivationen dar, die Sykes (2007) bereits in den 1950er Jahren für männliche Häftlinge als Schmerzen des Freiheitsentzugs (pains of imprisonment) skizzierte. Der Verlust von Gütern, Sicherheit und sozialen Beziehungen stellt demnach enorme Belastungen der Inhaftierung dar. Während die Schmerzen des Freiheitsentzugs zum Standardkonzept in der Strafvollzugsforschung avanciert sind und mithin die Thematisierung des Umgangs der hiervon Betroffenen, steht eine Analyse der Marginalisierung weiblicher und trans*gender Personen in Haftkontexten bislang aus. Diese präsentieren wir im Beitrag anhand der Ergebnisse einer ethnographischen Forschung im Strafvollzug und zeigen diesbezüglich relevante diskursive Figuren auf, die entstehen, wenn Weiblichkeiten im Haftalltag adressiert werden. Sie kulminieren in Formen von Hyperfeminität, die einerseits weibliche Agency betonen, andererseits aber die Marginalisierung der betreffenden Inhaftierten fördern.
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