Resozialisierung als leeres Versprechen: Warum der Strafvollzug hinter den eigenen Ansprüchen zurückbleibt Befunde und Erkenntnisse aus der Forschung zum Anstaltsklima in Deutschland
DOI:
https://doi.org/10.18716/ojs/krimoj/2025.1.12Schlagworte:
Anstaltsklima, Entlassungsvorbereitung, Lockerungen, Resozialisierung, Sicherheit und Ordnung, soziales Klima, Strafvollzug, Vollzugsplanung, VollzugszielAbstract
In Deutschland ist Resozialisierung ein Grundrecht von Gefangenen und zugleich vorrangiges Ziel des Strafvollzugs. Der Beitrag untersucht, in welchem Maß der Vollzug diesen Ansprüchen gerecht wird. Er greift hierfür auf Einschätzungen von 220 erwachsenen männlichen Gefangenen und 203 Bediensteten zurück, die im Zuge eines Forschungsprojekts zum sozialen Klima in zwei deutschen Justizvollzugsanstalten ermittelt wurden. Dabei geht es nicht um einen Vergleich der beiden Anstalten, die sich in ihren Ausgangsbedingungen unterscheiden, sondern um die Frage, wie lebendig bzw. greifbar der Resozialisierungsgedanke für die im Vollzug lebenden und arbeitenden Menschen ist. Im Ergebnis erscheint Resozialisierung als ein „leeres Versprechen“, weil die Anstalten – jede auf ihre Weise – sowohl hinter den gesetzlichen als auch den eigenen Ansprüchen zurückbleiben. Wie und warum sie trotz aller Anstrengungen scheitern, veranschaulicht der Beitrag, indem er sich auf Befragungsdaten, Interviews, Beobachtungen und zahlreiche Beispiele stützt. Die Gründe für die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegen in systemischen Zwängen (insbesondere fehlenden Ressourcen) und antagonistischen Zielsetzungen bzw. Prioritäten. Diese Situation führt bei Gefangenen zu Resignation und Enttäuschung, während sich die Bediensteten zum Teil auf problematische Einstellungen zurückziehen, die in Bezug auf Resozialisierung große Skepsis, sogar Verweigerung erkennen lassen.
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